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Rock / Heavy Metal 02.09.2026

Brian Fallon im Interview zum neuen Soloalbum "Not Bad For New Jersey"

Brian Fallon im Interview zum neuen Soloalbum "Not Bad For New Jersey"

Brian, was ist das für ein schönes Bild hinter dir? 

Danke! Das hat mein Freund Laurie von Soft Play gemacht. Ich finde es richtig cool.

Das heißt, du reist mit deinen Bildern durch die Gegend? 

Das wäre mal eine Idee! Aber ich habe tatsächlich ein Apartment in Schottland, in dem ich einen Teil des Jahres mit meiner Familie lebe.

Wie vertreibst du dir die Zeit in Schottland?

Ich gehe viel spazieren – zwangsweise. Ich habe hier nämlich kein Auto. Zu Hause lesen wir sonst viel, besonders die Kinder. Es wird gezeichnet, gemalt und es läuft eigentlich immer Musik. Wir sind ein kreativer Haushalt und ich bin stolz darauf, dass wir das so hinbekommen haben. Kunst ist bei uns irgendwie immer präsent.

Beim Schreiben deines neuen Soloalbums seien kindliche Freude und kreative Erfüllung einhergegangen. Kannst du das ausführen? 

Weil ich dieses Mal etwas grundlegend anders gemacht habe. Eigentlich habe ich meine Songs immer alleine geschrieben und dann der Band gezeigt. Manchmal ist dieser Prozess extrem frustrierend. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass viele der Lieblingssongs aus meiner Jugend von zwei Leuten geschrieben wurden – meistens von Freunden. Also habe ich kurzerhand meine Freunde angerufen und gesagt: “Hey, lasst uns doch einfach ein paar Songs schreiben und schauen, was passiert!” Letztendlich hatten wir super viel Spaß; die Songs sind wie nebenbei entstanden. Das ist ein krasser Kontrast zu diesem elenden Gefühl, das ich manchmal hatte, wenn ich alleine an Songs gearbeitet habe. Das war wie stundenlang aus einem regenverhangenen Fenster starren.

Glaubst du, dass du das jetzt öfter so machst?

Auf jeden Fall. Ich mag auch den Punk-Gedanken dahinter. Gefühlt gibt es da diese Community noch, die dem Rest der Branche leider oft fehlt. Tatsächlich habe ich sogar so viel Gefallen daran gefunden, dass sich der Prozess für das neue The Gaslight Anthem-Album genauso gestaltet. Ich rufe einfach meine Freunde an und schaue, was passiert. Das Riff in “Wolf By The River“ kommt auch von Alex Rosamilia, Alex Levine [beide Gaslight Anthem] und Ian Perkins [The Horrible Crowes].

Das heißt, wir können bald mit einem neuen Gaslight-Album rechnen?

Ja, wahrscheinlich schon nächstes Jahr!

Ein Gast auf “Not Bad For New Jersey“ ist Brandon Flowers. Du kanntest ihn vorher nur flüchtig, weil ihr euch gelegentlich über Depeche Mode ausgetauscht habt. Wie kam es letztlich zum Feature? 

Das habe ich alleine meiner Frau zu verdanken. Sie hat einen Film mit The Killers und Bruce Springsteen im Madison Square Garden gedreht. Bei einem anderen Killers-Konzert bin ich dann durch sie in den Backstage gekommen und habe Brandon ein paar Wochen später gefragt, ob wir nicht einen Song zusammen machen wollen. Das war schon verrückt, ich bin schon ewig Fan von ihm und seiner Musik.

»Inzwischen geht es eher darum, mental und emotional über die Runden zu kommen.«

Brian Fallon

Was hast du zwischen den Studio-Sessions getrieben, was hat dich neben deinen Freunden inspiriert?

Tatsächlich spiele ich viel Gitarre oder bastele an irgendwelchen Verstärkern oder Instrumenten herum. Während des Albumprozesses habe ich auch viele Filme geschaut – ihr Deutschen habt echt krasse Filme. Super gruselig und weird, aber ich fand‘s toll.

Gibt es Filme, die dich beim Schreiben besonders beeinflusst haben?

“Possession“ von 1981 zum Beispiel. Der spielt in Berlin und ist wirklich wild. Der hat einige Parts von “Wolf By The River“ inspiriert. Viele der Songs greifen Elemente von Bryan Adams und der “Born In The USA“-Springsteen-Ära auf. Aus der Zeit habe ich auch viele Filme angesehen, mit denen ich aufgewachsen bin; “Breakfast Club“ oder “Zurück in die Zukunft“. Eigentlich hasse ich Aussagen wie: “Solche Filme werden heutzutage nicht mehr gemacht.“ Aber in diesem Fall stimmt es.

Viele US-Filme aus dieser Zeit haben eine gewisse Unschuld und Naivität. Lässt sich davon auch etwas auf deinem Album finden?

Ganz bestimmt sogar. Diese Hoffnung und das Unermüdliche, was die Filme prägt, haben meine Musik und ich auch. Diese große Begeisterung für Musik, Kunst und vor allem für neue Bands – auch, wenn ich sie manchmal nicht ganz verstehe. Ich war letztens mit meinem Sohn auf einem Playboi-Carti-Konzert. Mir war das alles zu viel und zu laut, aber ich fand es großartig, wie sich die ganzen Kids in den Pit gestürzt haben. Das hat mich total an das “Smells Like Teen Spirit“-Musikvideo erinnert, die sind alle komplett ausgeflippt. Für mich ist das musikalisch nichts, aber das muss es eben auch nicht sein. Es geht um die Kunst an sich.

Bleiben wir doch direkt bei Emotionen: Was wünschst du dir, was deine Hörer:innen fühlen, wenn sie das neue Album hören? 

Ich hoffe, dass sie diesen gewissen Kick spüren. Dieses Hochgefühl, wenn einem ein Song sofort ins Ohr geht. Ich hatte das neulich beim neuen WeezerSong mit Wednesday. Und bei der 1992er-Liveaufnahme von Nirvanas “Aneurysm“. Plötzlich klang das für mich alles brandneu – ich war super enthusiastisch. Das war einfach dieser Kick, wie ein Espresso-Shot.

In einem Interview hast du mal gesagt: “Der Gaslight-Sound ist für die Arbeiterklasse – mit Seele. Statt über Liebe zu sprechen, reden wir darüber, über die Runden zu kommen.” Zumindest der letzte Teil hat sich inzwischen geändert, oder?

Mit Sicherheit, die Band ist ja wesentlich erfolgreicher als damals. Inzwischen geht es eher darum, mental und emotional über die Runden zu kommen. Das kann immer noch schwer sein und wir versuchen alle, unserer mentalen Gesundheit mehr Raum zu geben. Und was die Arbeiterklasse angeht: Ich weiß nicht, was das heutzutage überhaupt noch heißen soll. Heute würde ich vermutlich eher sagen: Unsere und meine Musik ist für jeden und alle.

Du hast im Rahmen des Produktionsprozesses von Passion, Wahnsinn und wenig Raum für Subtiles gesprochen. Das hat doch sicher mit Produzent Butch Walker zu tun, oder? Vor allem, nachdem zuvor Peter Katis “Local Honey“ produziert hat.

Total. Peter Katis hat ja einen völlig anderen Sound, viel getragener. Das, was Butch macht, ist dagegen sehr groß, wie ein lauter Knall. Butch und ich sind wie Brüder. Weil das Album auf meinem eigenen Label erschienen ist, hat uns dieses Mal niemand über die Schulter geschaut und gefragt, was wir treiben. Das war vollkommen befreiend. Es war ein wenig wie die Erfahrung, die man mit Akustik-Touren macht. Alles ist toll, aber sobald man wieder zu Hause ist, möchte man den Marshall-Amp voll aufdrehen – wenn du etwas Süßes hattest, willst du halt danach etwas Salziges.

»Ein Song ist für mich dann gut, wenn er einen etwas fühlen lässt.«

Brian Fallon

Gibt es auf „Not Bad For New Jersey“ Songs, die dir besonders viel bedeuten?

“On Good Terms“ – auch, wenn ich eigentlich ungerne Favoriten herauspicke. Auf den Song bin ich ziemlich stolz. Lori McKenna, Donovan Woods und ich haben zusammen daran gearbeitet und als er fertig war, dachten wir: “Alter, der Song ist brutal. Die Texte sind gnadenlos.“ Und genau das liebe ich. Ein Song ist für mich dann gut, wenn er einen etwas fühlen lässt. Und das tut er definitiv. Welcher Song gefällt dir bis jetzt am besten?

Ich mag “Walking Through The Garden“, weil er mich vom Sound an das The Horrible Crowes-Album erinnert.

Guter Punkt! “Elsie“ ist ein wirklich gutes Album. Das ist auch der einzige Grund, warum wir bis jetzt keinen Nachfolger gemacht haben. Was, wenn wir es versauen? Manchmal sollte man Dinge einfach ruhen lassen.

Nächste Woche erscheint das Album. Was steht für dich als Nächstes an?

Nächste Woche fängt die US-Tour an, danach stehen UK und Europa an. Und dann geht’s ans Gaslight-Album. Ich hoffe, dass bis Februar der Schreibprozess abgeschlossen ist und wir im Frühjahr mit den Aufnahmen anfangen können. Ich sag‘s dir, das wird großartig!

Der Beitrag <img class="visions-plus aboplus-fahne" src="https://www.visions.de/wp-content/plugins/item-plenigo/img/visions_plus.svg"> Nicht schlecht für Schottland erschien zuerst auf VISIONS.de.

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